J.B.Hatecraft
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Die Stadt Mitte!

„Ah, Paul! Wieder einmal was für die Sauberkeit tun?“, er hat einen recht feinen Ausdruck in seinen Sätzen, als ob er seine Seife jeden Tag essen würde. Dem hinzu benimmt er sich auch sehr akkurat. Ich glaube es kommt daher weil er im Gegensatz zu den anderen noch Arbeit hat. Das was wir machen, das ist das harte Leben und so reden wir auch. Er aber macht seine Seife, stellt sich hier unten ans Ufer, verkauft sie und hat immer ein sicheres Gehalt womit er über die Runden kommt. Ich krame in meiner Tasche hohle zwanzig Cent hinaus und bestelle zehn Stück Seife.
„Da hast du aber Glück Paul, ich habe gerade noch zwölf Stück in meiner Kiste“
„Na dann lass mal rüber wachsen deine besten Stücke!“
„Hier hast du sie!, ach hast du schon gehört, in der Mitte ist morgen wieder eine Nobelausstellung. Ich glaub ich werde da mal hingehen, vielleicht finde ich ja mal etwas was mir bei meiner Produktion weiter helfen kann.“
Mit unterdrückter Wut antworte ich nur: “Ja wirklich?“ und gehe von dannen. Diese so genannten Nobelausstellungen in der Stadt Mitte regen mich einfach auf. Irgendwelche Schnösel stellen da Sachen aus alten Zeiten zur Schau die man, wenn man überhaupt Geld besitzt, kaufen kann. Klopapierhalter, Autofelgen, verzierte Spiegel und anderen Mist, den ein normaler Mensch der hier am Fluss wohnt so oder so nicht braucht. Dem hinzu werden diese Ausstellungen so bunt veranstaltet, dass jedes Kind unbedingt dort hin schlendern will und sich dann einreden lässt, dass das die Zukunft sei. Die Jünglinge dieser Zeit kennen das natürlich alles nicht und deswegen sind sie auch, neben den anderen Schnöseln die sich da rum treiben das einzige Ziel für die Händler. Wie viele Kinder haben von ihrer Mutter schon einen fünfer in die Hand bekommen um Brot zu holen und sind dann mit einem Jojo zurück gekommen. Früher wäre das wahrscheinlich nicht so schlimm gewesen, aber heute ist das schon ein derber Einschnitt im Kampf ums überleben. Das ist krank! Das was die da verhökern, hätten sie damals jedem Penner hinterher geworfen und heute ist das ein Luxusgüter den man um jeden Preis so hoch wie möglich verkaufen muss. Und so was regt mich einfach auf! Früher wussten sie mit ihrem Geiz und ihrer Gier nicht wohin, so dass sie ihr Geld in einen verdammten Krieg rein steckten und heute tut es ihnen nicht einmal leid was sie damit angerichtet haben. Natürlich werden morgen wieder alle da sein und den alten Zeiten hinterher winseln und auf jeden Fall wird es auch wieder einmal mit den Rebellen eskalieren. Der Staatsschutz, ja heute im wahrsten Sinne des Wortes, wird wieder jeden niederknüppeln bis die Bonzen ihre Sachen gepackt haben und sich in die sichere Wohngegend zurück gezogen haben. Danach wird der Staatsschutz wieder alle laufen lassen, weil der Knast ja schon etwas luxuriöseres ist, als das Leben was wir hier kennen. So weit sind wir, selbst die Sünde ist schon keine mehr und es würde mich nicht wundern wenn als einzige Lösung der Galgen wieder aufgestellt werden muss, damit die Regierung endlich das brave Volk bekommt was sie wieder haben will. Doch das wird nie funktionieren, denn ihre Ressourcenausbeutung ist der Neige verfallen, gleich wenn es auch ein ordentliches Leben in den Großstädten geben soll, wird die größte Menge der Menschen nie mit auf den Zug springen können. In den Großstädten soll die Wirtschaft wieder funktionieren, doch profitieren tun da auch nur die Leute die Geld haben. Mit ein wenig Glück schafft man es höchstens als Reinigungskraft, was natürlich schon ein riesiger Erfolg ist. Wenn man hier von etwas träumen kann, dann davon, das man ein russisches Wörterbuch findet und dessen Sprache lernt. Denn in den Regionen wo damals über Jahre hinweg alle in bessere Regionen auswanderten beginnt heute der Boom. Zwar sind da die Ressourcen ebenfalls knapp, jedoch lässt sich ein für heutige Verhältnisse ordentliches Leben aufziehen. Doch wie soll man hier weg kommen? Das was man heute als Fortbewegungsmittel noch hat sind Rapsölangetriebene Autos beziehungsweise Züge, die natürlich Demenz teuer sind weil Rapsöl ja auch nicht an jedem Baum wächst. Es gab zwar schon einige die es versucht haben aufzuspringen, aber die Chance auf solch einen Zug zu kommen ist gleich Null, weil die Passagiere dieser Züge ja alles reiche Schnösel sind und die werden natürlich bestens bewacht. Und das dich so ein reicher Vogel einfach mal mit nimmt ist ebenfalls gleich Null. Die glauben ja von jedem von uns, sein es selbst Kinder, das wir ihnen die Köpfe von ihren Körpern reißen. Als letzte Möglichkeit bliebe dann noch die fahrt mit dem Fahrrad, die einige versucht haben. Mit Glück und letzter Ausgelaugtheit könnte man es schaffen, jedoch müsste man auch da mit viel Kapital auf reise gehen, denn wo sollte man unterwegs etwas zu Essen bekommen, so gut wie das von jedem ins Auge genommen wird lässt sich das auf jeden Fall nicht klauen. Ich glaube kaum das einer von ihnen jemals in bessere Länder gekommen ist, bisher war eher jeder froh das er es wieder zurück geschafft hat, als er gemerkt hat, das er es nicht weit bringen wird. Es wäre hier auch nicht zu vergessen zu erwähnen, das man erst einmal über die Grenze kommen muss. Fast alle Länder, sofern sie noch kulturell bestehen, liegen untereinander in tiefster Abneigung. Da kann man schon das dumme Pech auf seiner Seite haben und als Frühstück für irgendjemanden enden, denn in solchen Zeiten hilft einem alles um über die Runden zu kommen. Anders haben wir das auch nicht durch gemacht bis wir uns finanziell wenigstens ein wenig sichern konnten. Tom musste sein Hund opfern und die Pferde des Reiterstalls wurden von den Reichen leider zu spät in Sicherheit gebracht.
10.3.06 14:46
 


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